Jahresausblick: Rückenwind durch Reformen – Gegenwind aus der Weltpolitik

Der sanfte Optimismus ist damit zu einer Unzeit deutlich gedämpft worden. Es bleibt zu hoffen, dass die Europäische Kommission von ihrem Recht Gebrauch macht und das Abkommen trotzdem vorläufig in Kraft treten lässt.

Europa muss seine Rolle als aktiver Gestalter des Welthandels in einer Phase zunehmender Protektionismen, unberechenbarer Zolldrohungen und wahnsinniger Territorialforderungen stärken und neue Exportperspektiven eröffnen. Das erleichtert auch und insbesondere die Arbeit von Führungskräften, die Lieferketten verantworten, globale Produktionsnetzwerke steuern und neue Märkte entwickeln. Sie brauchen genau wie Unternehmen stabile Handelsbeziehungen und ungefährdete strategische Partnerschaften als Fundament, auf dem sich Wachstum und Innovation revitalisieren lassen. 
Diese neue Realität scheint noch nicht bei ausreichend vielen Mitgliedern des Parlaments in Brüssel angekommen und verstanden zu sein. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) warnt daher völlig zurecht vor einem industriepolitischen Offenbarungseid, sollte Europa diese strategische Chance aus innenpolitischen Gründen verspielen. 

Vor diesem Hintergrund wird deutlich: Wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und politische Stabilität sind 2026 enger miteinander verknüpft denn je. Deutschland und Europa benötigen eine klare, strategisch ausgerichtete Weltwirtschaftspolitik, die nicht nur auf akute Krisen reagiert, sondern verlässliche, regelbasierte Rahmenbedingungen schafft — im Handel, in der Energieversorgung und bei der Innovationsförderung. Nur so lassen sich protektionistische Impulse, disruptive Zölle und geopolitische Verwerfungen in kalkulierbare Risiken überführen.

Gleichzeitig ist auch die Branche selbst gefordert, ihre Stärken konsequent auszuspielen. Mit ihren hochqualifizierten Fachkräften und ihrer ausgeprägten Innovationskraft verfügt die deutsche Chemie- und Pharmabranche über beste Voraussetzungen, um Herausforderungen in nachhaltiges Wachstum und neue internationale Perspektiven zu verwandeln. Dafür braucht es vorausschauendes und entschlossenes Handeln im Schulterschluss von Politik und Wirtschaft – gemeinsam mit den Führungskräften und nicht gegen sie.

Stephan Gilow
Hauptgeschäftsführer des VAA

Stephan Gilow

Der VAA Newsletter erscheint jeden Monat neu. Wenn Sie möchten, benachrichtigen wir Sie regelmäßig per E-Mail über die Themen der aktuellen Ausgabe.

Alle News in einer App

Aktuelle Ausgabe:

Ausgabe Januar 2026

Ältere Ausgaben: