Fach- und Führungskräfte sind Säulen der Transformation

Das Magazin Forbes schrieb in einem Beitrag über Googles Aristoteles-Projekt, es identifiziere „psychologische Sicherheit als den entscheidenden Faktor, der die erfolgreichsten Teams“ kennzeichne. „Die Förderung psychologischer Sicherheit ist mehr als nur eine moralische Verpflichtung, sie ist ein strategischer Vorteil.“ Denn realistisch betrachtet arbeiten Spitzenkräfte selten im Takt kurzfristiger Trends. Innovation braucht Zeit. Entwicklungszyklen dauern Jahre, manchmal Jahrzehnte. Know-how sammelt sich nicht in Quartalen an, sondern durch verlässliche Zusammenarbeit. Das gilt insbesondere für die deutschen Kernindustrien Chemie und Pharma, Automobil und Maschinenbau – allesamt forschungsintensiv. Wer Kündigungsschutz zu stark flexibilisiert, riskiert Wissensabbrüche und Substanzverluste, die langfristig teuer werden – teurer als jede Abfindung. „Hire-and-Fire“ schadet genau der Innovationskraft, die der Standort Deutschland so dringend benötigt.

Mehr noch: Kürzlich zeigte eine Studie des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), dass immer weniger Beschäftigte bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Der Führungskräftenachwuchs fehlt! Ein gewichtiger Grund: Viele potenzielle Führungskräfte erleben derzeit eine widersprüchliche Erwartungslage – maximale Verantwortung bei sinkender Absicherung. Das passt nicht zu den Bedürfnissen junger Erwachsener, die in einer volatilen VUCA-Welt aufgewachsen sind. Im Umkehrschluss bedeutet das: Wer Leistungsträger für Deutschland aufbauen will, muss Halt geben, nicht Halt nehmen.

Der Wirtschaftsstandort steckt in einer großen Veränderung. Hochqualifiziertes Wissen ist noch immer der wertvollste Rohstoff der deutschen Industrie. Ein zu niedrigschwelliger Austausch von Führungskräften zerstört in kurzer Zeit, was langfristig aufgebaut wurde: Erfahrung, technisches Verständnis, Vertrauen in Teams. Innovation lässt sich nicht eben „outsourcen“, wenn sie Kontinuität und Fachwissen braucht. Darum lassen Sie uns gemeinsam für eine starke Mitbestimmung der Fach- und Führungskräfte in den Betriebsräten und Sprecherausschüssen eintreten.

Dr. Birgit Schwab
1. Vorsitzende des VAA

Dr. Birgit Schwab

Der VAA Newsletter erscheint jeden Monat neu. Wenn Sie möchten, benachrichtigen wir Sie regelmäßig per E-Mail über die Themen der aktuellen Ausgabe.

Alle News in einer App

Aktuelle Ausgabe:

Ausgabe Februar 2026

Ältere Ausgaben: