Geldanlage: Zeiten von „Money for Nothing“ sind vorbei

Fast zehn Jahre haben Finanzprofis auf die Zinswende gewartet. Aber so sehr der Negativzins eine finanzwirtschaftliche Absurdität darstellte – er hielt sich seit dem Jahr 2014 hartnäckig. Erst im vergangenen Jahr lösten die massiv gestiegenen Energiekosten eine Kettenreaktion hin zu stark steigenden Verbraucherpreisen aus. Die Folge waren massive Zinserhöhungsprogramme der weltweiten Notenbanken. Diese führten nicht nur zu Preisrückgängen von im Zinstief übermäßig im Wert gestiegenen Sachwerten wie Immobilien, sondern auch zu einem historisch einmaligen Crash an den doch eigentlich als sicher geltenden Märkten für festverzinsliche Wertpapiere. Marion Lamberty von der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensmanagement erläutert im vorliegenden Gastbeitrag für den VAA Newsletter, warum festverzinsliche Anlagen jetzt wieder interessant werden.

Doch es folgt derzeit nur noch ein Teil der Banken und Sparkassen diesem Muster. Denn nachdem die Europäische Zentralbank den Leitzins in zehn Schritten auf 4,5 Prozent und den für Banken wichtigen Einlagenzins auf 4,0 Prozent angehoben hatte, legte sie bereits ab Oktober eine Zinspause ein. Auch die größte Notenbank, die US-amerikanische Fed, hat die Zinserhöhungen schon länger ausgesetzt und ihr Präsident deutete vorsichtig ein Ende der Zinserhöhungen an.

Einige Investoren rechnen inzwischen bereits in den ersten Monaten des Jahres 2024 mit Zinssenkungen. Schlecht für die Tagesgeldanleger – aber ein ideales Szenario für viele Rentenfonds und konservative Mischfonds. Denn letztere haben ihren Anleihenanteil inzwischen wieder deutlich ausgebaut. Diese Investmentfonds konnten in den vergangenen Wochen Anleihen mit hohen Renditen in ihren Bestand kaufen, die in einem Umfeld fallender Zinsen deutliche Gewinne erwarten lassen. Da aber der Beginn eines Zinsrückgangs nicht vorhergesagt werden kann, bleibt es schwierig, den richtigen Investitionszeitpunkt zu finden. Insgesamt sollte im aktuellen Zinsumfeld mit mehr und schnelleren Kursbewegungen gerechnet werden. Vorsichtige Anlegende steigen hier über mehrere Schritte wieder in den Markt ein. Die breite Streuung eines Mischfonds kann dabei die Auswirkung von Einzelrisiken verringern und dennoch durch die aktive Steuerung des festverzinslichen Anteils auf Zinsänderungen reagieren. Gleichzeitig hat der Mischfonds die Ausweichmöglichkeit anderer Anlageklassen, falls der Optimismus der Marktteilnehmer doch zu weit geht und die erneute Zinswende noch auf sich warten lässt.

Marion Lamberty ist Geschäftsführende Gesellschafterin der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensplanung mbH in Köln.
 

Marion Lamberty

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