Der langsame Weg zur Wirklichkeit

Die deutsche Ampel-Politik benötigt eine Rosskur in Realismus. Dass die Opposition dermaßen schwächelt, ist eine Chance für die Ampel, aber nicht für die Deutschen. Die Gaspreisbremse ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, andere sind nötig. Schließlich bleibt die dramatische Angebotsverknappung beim Erdgas für Jahre ein Problem, nicht nur bis zum Frühjahr 2024. 90 Milliarden oder am Ende gar 200 Milliarden können dieses dramatische Grundproblem nicht wegsubventionieren. Wir müssen also viel mehr Gas einsparen und vor allem neue Bezugsquellen erschließen. LNG-Produzenten müssen langfristige Perspektiven eröffnet werden, um ihre Produktionskapazitäten auszubauen. Die kurzfristige Betrachtung von LNG als Übergangslösung grenzt an Realitätsverweigerung der Ampelregierung wie schon in der Frage der Verlängerung der AKW-Laufzeiten. 

Auch die heimische Gasproduktion sollte unverzüglich angegangen werden. Deutsche Doppelzüngigkeit auf diesem Gebiet ist kaum zu ertragen: Grüne und SPD halten daran fest, eine Ausweitung der heimischen Gasproduktion zum Tabu zu erklären. Gleichzeitig fordern sie etwa von den Niederländern eine Erhöhung der Förderung. Dieser verlogenen Moral kann man nur die Stimme von Vassiliadis entgegensetzen. Er fordert, das umstrittene Thema Fracking neu zu bewerten. Beim Fracking wird Gas gewonnen, indem mit hohem Druck Flüssigkeit in die Erde gepumpt wird, um Gestein aufzubrechen. Es passe nicht zusammen, Fracking-Erdgas aus den USA haben zu wollen und das Fracking in Deutschland grundsätzlich auszuschließen, sagt er. Dem ist nichts hinzuzufügen. 

Schritt für Schritt nähert sich die Ampel der Wirklichkeit an. Übrigens auch die Opposition, die keine Alternative bietet. Für jeden Gewinn an Realismus können die Deutschen nur dankbar sein. Der Weg wird lang und steinig sein. Bereiten wir uns darauf vor. 

Stephan Gilow
Hauptgeschäftsführer des VAA

Stephan Gilow

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