Brexit: riskantes Spiel für die Chemie

Und es ist ein Paradebeispiel dafür, wie der Kampf um Macht und Einfluss über das Wohl der Gesellschaft gestellt wird. Boris Johnson etwa könnte aus dem Machtkampf als neuer Premierminister hervorgehen. Über ihn ist bekannt, dass er nach der Entscheidung für ein Referendum einen Gastbeitrag für eine Zeitung in zwei Fassungen schrieb: In einer Version empfahl er seinen Landsleuten den Verbleib in der EU, in der anderen plädierte er lautstark für den Brexit. Veröffentlicht wurde die EU-kritische Version des Beitrages – nachdem klar war, dass sich der damalige Premierminister David Cameron für den Verbleib in der EU stark machte. Das mag man als politische Wandlungsfähigkeit bewerten, aus meiner Sicht zeigt sich darin nackter Opportunismus. Wider besseres Wissen für eine so weitreichende und wirtschaftsschädliche Entscheidung wie den Brexit einzutreten, ist zynisch.

Dass Boris Johnson nach wie vor Chancen auf den Chefsessel in der Downing Street hat, veranschaulicht zudem eine der großen Gefahren des Populismus: Die Rechnung für die vollmundigen Versprechungen zahlen in der Regel andere. Wenn die Briten eines Tages merken, wie sehr sich der Brexit gegen sie selbst richtet, wird der Zechpreller Johnson von der politischen Bühne verschwunden sein – oder einen Weg finden, anderen dafür die Schuld zu geben. Spätestens dann wäre der Brexit ein weiteres Lehrstück dafür, welchen Schaden Populisten anrichten können. Im Interesse Europas, der deutschen Chemiebranche und der Briten hoffe ich persönlich sehr, dass es anders kommt.

Gerhard Kronisch, Hauptgeschäftsführer des VAA

Gerhard Kronisch

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