Corona und die Weltwirtschaft: Grenzen der Globalisierung?

Wenn diese Spezialisierung mit einem freien Warenaustausch verbunden wird, können Wertschöpfungsketten entstehen, die hoch produktiv sind und auch die Produktion komplexer Güter zu marktfähigen Preisen ermöglichen. Wer meint, damit sei nur dem Wohl der Unternehmen und ihrer Aktionäre gedient, täuscht sich. Und zwar nicht nur, weil die Produkte unseres täglichen Lebens – vom Smartphone über das Auto bis zum Medikament in der Apotheke – ohne diese Arbeitsteilung spürbar teuer wären. Hinzu kommt, dass die Arbeitnehmer in der exportorientieren deutschen Wirtschaft an den Wohlfahrtseffekten dieser Form der Wertschöpfung in der Vergangenheit durch gute Löhne umfassend partizipiert haben und das bis heute tun. Wer also fordert, die globale Wertschöpfung wieder komplett zu entflechten, läuft nicht nur Gefahr, im Chor der populistischen Nationalisten mitzusingen, sondern muss auch dazusagen, dass weniger Arbeitsteilung am Ende weniger Wohlstand bedeutet.

Zur Wahrheit gehört auch, dass sich in dieser globalisierten Welt bestimmte Krankheiten sehr schnell verbreiten können. Wenn es dazu noch eines Beweises bedurft hätte, hat Corona ihn erbracht. Und wenn durch die Just-in-time-Lieferprozesse der Weltwirtschaft dann gerade die Dinge knapp werden, die in so einer Situation zum Schutz der Gesundheit der Menschen am dringendsten gebraucht werden, stellt sich in der Tat die Frage nach den Grenzen der Globalisierung.

Planwirtschaftliche Vorgaben, welche Unternehmen welche Produkte wo herzustellen und zu lagern haben, werden uns nicht weiterhelfen. Vielmehr müssen kreative wirtschaftspolitische Impulse Unternehmen Anreize bieten, die Verfügbarkeit elementarer Güter der Daseinsvorsorge sicherzustellen. Das würde Geld kosten – dem stünde jedoch eine bessere Versorgung und damit wohl auch mehr gesellschaftliche und ökonomische Gelassenheit in Krisenzeiten gegenüber.

Gerhard Kronisch, Hauptgeschäftsführer des VAA

Gerhard Kronisch

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