Geldanlage: Immobilieninvestitionen neu kalkulieren

Ökonomen warnten bereits seit gut zehn Jahren vor einem durch die Kombination aus extrem lockerer Geldpolitik und staatlichen Rettungspaketen ausgelösten starken Inflationsanstieg. Aber es passierte wenig. Erst im vergangenen Jahr lösten massiv gestiegene Energiekosten eine Kettenreaktion aus, welche die Preise von immer mehr Gütern stark steigen ließ. Die Inflation ist zurück und erreichte im Herbst 2022 vorübergehend ein seit Jahrzehnten nicht mehr gekanntes Niveau von über zehn Prozent. In inflationären Zeiten wird häufig reflexhaft eine Anlage in Immobilien empfohlen, um die Kaufkraft zu erhalten. Marion Lamberty von der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensmanagement erläutert im vorliegenden Gastbeitrag für den VAA Newsletter, warum im aktuellen Umfeld eine Geldanlage in Immobilien dennoch genau abgewogen werden sollte.

Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Immobilienmarkt in Schockstarre

Wie sich diese Situation auflöst, ist offen, denn auch der Neubau geht drastisch zurück. Viele Bauprojekte rechnen sich zu den aktuellen Zinsen und Baupreisen nicht mehr, was sich in den nächsten Jahren in einem sinkenden Angebot bemerkbar machen dürfte. Aktuell ist der Immobilienmarkt in Schockstarre. Verkaufsbereite ohne akute Geldsorgen wollen angesichts der verbreiteten Käuferzurückhaltung lieber abwarten, als einen niedrigeren Preis zu akzeptieren. Potenziell am Kauf Interessierte, die ein Renditeobjekt suchen, warten auf Schnäppchen. Denn bei den zuletzt in Kauf genommenen geringen Mietrenditen von durchschnittlich drei Prozent lohnt sich ein Kauf nur bei sehr günstigem Einstiegspreis oder der Aussicht auf immer weiter steigende Immobilienpreise.

Nicht nur bei Preisrückgängen, auch in einer Phase stagnierender Immobilienpreise, wie wir sie in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts über einen langen Zeitraum verzeichneten, erscheint eine Anlage in Immobilien gegenüber den Vorjahren deutlich weniger attraktiver. Zumal das neue Zinsumfeld nicht nur die Finanzierungskosten erhöht, sondern auch wieder festverzinsliche Alternativanlagen angeboten werden. Dazu müssen der zeitliche Aufwand für die Verwaltung einer Immobilie sowie etwa ein Prozent jährliche Instanthaltungsrücklage bei der Investitionsüberlegung mit berücksichtigt werden. Aufwand, der bei einer alternativen Geldanlage nicht notwendig ist.

Generell sollte im aktuellen Marktumfeld mit mehr Unsicherheit gerechnet und auch Klumpenrisiken vermieden werden. Breiter aufgestellt wäre ein Investment mit aktiv verwalteten und über verschiedene Regionen und Branchen gestreuten Investmentfonds. Sie bieten einen flexibleren Inflationsschutz und sollten neben Immobilien-, Aktien- , Rohstofffonds inzwischen auch wieder Rentenfonds enthalten, die durch gestiegene Zinssätze attraktiver geworden sind.

Marion Lamberty ist Geschäftsführende Gesellschafterin der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensplanung mbH in Köln.
 

Marion Lamberty

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