Corona und die neue Arbeitswelt: Homeoffice ist kein Wundermittel

Natürlich lassen sich Job und Familie leichter unter einen Hut bringen, wenn die Präsenzpflicht am Arbeitsplatz und Pendelzeiten entfallen. Aber wenn sich der dreijährige Sohn den Kopf stößt oder die vierjährige Tochter ein Marmeladenbrot möchte, während in der Telefon- oder – schlimmer noch – in der Videokonferenz 15 Kollegen und der Vorgesetzte auf einen geistreichen Beitrag warten, stößt die Vereinbarkeit auch schnell an Grenzen. Effizienzvorteile bei der Heimarbeit durch den Wegfall des Smalltalks mit Kollegen wiederum können schnell durch Schäden an der Unternehmenskultur aufgefressen werden, wenn diese informelle Art des Austausches komplett auf der Strecke bleibt. Gerade die zu Recht als wichtig erachteten Innovationen entstehen in aller Regel durch lebhafte Diskussionen und persönlichen Austausch. Ebenso ungelöst sind auch die Probleme, die durch das Aufweichen der Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben entstehen. Es mag den einen oder anderen Mitarbeiter geben, der zu Hause zu viele und zu lange Pausen macht. Kritischer sind aber die Fälle, in denen das Gefühl der ständigen Erreichbarkeit und die fehlende Selbstdisziplin beim „Abschalten“ Arbeitnehmer dauerhaft belasten und schließlich sogar krankmachen.

Wenn das Coronavirus besiegt und die umfassende Nutzung des Homeoffice aus epidemiologischer Sicht nicht mehr geboten ist, sollten wir deshalb genau überlegen, welche Vorteile der neuen Arbeitswelt wir weiterhin nutzen können und wollen – und wo es sinnvoller ist, auf lange bewährte Konzepte zurückzugreifen. Der VAA wird seinen Beitrag dazu leisten, diese wichtige Diskussion im Sinne der Arbeitnehmer mitzugestalten. Zumal auch für die Arbeitnehmervertreter der Austausch in Präsenzform wichtig ist. Arbeitgeber dürfen nicht auf die Idee kommen, Betriebsräte und Sprecherauschüsse auf die rein virtuelle Sitzungsweise zu verpflichten. Für beide Aspekte gilt aus meiner persönlichen Sicht: Die richtige Mischung macht‘s.

Gerhard Kronisch, Hauptgeschäftsführer des VAA

Gerhard Kronisch

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