Geldanlage: Wie umgehen mit Finanzwissen aus dem Internet?

Noch nie war es so einfach wie heute, Informationen zu Finanzthemen zu erhalten. Das Internet bietet eine Vielzahl jederzeit verfügbarer Quellen. In den letzten Jahren entstand zudem das Berufsbild des Finanz-Influencers: „Finfluencer“ sind Personen, die im Internet Tipps zu Themen rund um die Geldanlage geben und häufig auch direkt die passenden Lösungen verlinken. Im Zuge steigender Popularität werden diese Influencer gleichzeitig als Absatzkanal für Finanzproduktanbieter immer interessanter. Entsprechend steigt die Gefahr, dass vermeintlich kostenlose und augenscheinlich rein wissenschaftlich begründete Empfehlungen einseitig und vertriebsmotiviert gegeben werden. Marion Lamberty von der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensmanagement mbH erläutert in ihrem Gastbeitrag für den VAA Newsletter, wie man das Wissen im Netz nutzen, sich aber vor unseriösen Tippgebern schützen kann.

  • Gibt es eine Webseite mit Impressum und werden die obligatorischen Impressumspflichten auch erfüllt? Wo ist der Standort des „Finfluencers“? Wer seinen Sitz in Steueroasen wie zum Beispiel den Emiraten oder Zypern hat, erscheint eher fragwürdig und ist wenig greifbar.
  • Selbstverständlich muss derjenige, der Tipps im Internet gibt, seine Tätigkeit auch finanzieren. Wenn Nutzer nicht für die Information zahlen müssen, ist es also wichtig, herauszufinden, von wem der „Finfluencer“ gesponsort wird, ob er oder sie angestellt ist oder einfach im Auftrag wirbt. Wenn auf Produkte verlinkt wird, sollte dies immer deutlich vom eigentlichen Inhalt des Beitrags getrennt sein. Vorzugsweise sollte offengelegt sein, wieviel an der Empfehlung verdient wird, damit die Abhängigkeit der Empfehlung abgeschätzt werden kann.
  • Einige „Finfluencer“ empfehlen risikoreiche und unseriöse Geldanlagen, betonen in ihren Posts allerdings nur deren Chancen, ohne die Risiken detailliert darzustellen. Insbesondere dann, wenn auch noch Zeitdruck aufgebaut wird, ist Vorsicht geboten.
  • Die BaFin warnt in ihrem Leitfaden über den Umgang mit sozialen Netzwerken bei der Geldanlage auch davor, für Anlagetipps auf private Messenger-Dienste zu wechseln, für die die Herausgabe privater Kontaktdaten erforderlich ist.

Informationsbeschaffung immer aus mehreren Quellen 

Letztendlich kann das Internet immer als erste Informationsquelle dienen, aber ein Online-Tippes ersetzt nicht den ausgebildeten und erfahrenen Finanzplaner oder Berater. Viele Follower wissen nicht, dass ein „Tipp“ eines Influencers keine seriöse Beratung ersetzt und auch kein Freundschaftsdient ist. Finanzprodukthersteller zahlen reichweitenstarken Influencern oft verdeckt hohe Provisionen und geben so den Anreiz für nicht objektive Empfehlungen. Dabei sind die Zielgruppe oft eher unerfahrene Anleger, die besonders anfällig für scheinbar kostenlose Versprechen „schneller Gewinne“ sind.

Zur Recherche von Finanzwissen sollten deshalb mehrere Quellen genutzt werden sowie die aus Verbraucherschutzgründen vorgeschriebenen Originaldokumente der Produktgeber und eine persönliche Beratung, um eine eigene Anlagestrategie zu finden und sich ein vollständiges Bild von den angepriesenen Investments zu machen.

Marion Lamberty ist Geschäftsführende Gesellschafterin der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensplanung mbH in Köln.
 

Marion Lamberty

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