Soziale Marktwirtschaft: Die Unbekannte?

Es geht bei den gesetzlichen Sozialversicherungen nicht darum, spontan, wie etwa bei Flutkatastrophen, hilfsbereit zu sein.

Es geht um die Grundlagen zivilgesellschaftlichen Zusammenlebens. Die hohe soziale Mobilität und Flexibilität, das Ausleben der Individualität, gelingt nur, wenn die Bewältigung der großen sozialen Risiken von Alter, Armut, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Invalidität und Pflegebedürftigkeit nicht mehr ausschließlich auf dem Familienverband lastet.

Allerdings gefährdet der Erfolg des Sozialstaats diesen selbst. Die hohen Finanzierungslasten sind das eine; noch bedrohlicher mögen die sozialen Folgen der wachsenden Vereinzelung der vielen „flexiblen Menschen“ sein.

Gut versichert, frei von Bindungen, finden sie kein zuhause mehr und sind mitten im Wohlstand auf neue Art haltlos geworden.

Ich meine, der Drang, das Soziale neu zu vermessen, speist sich in der jetzigen Wirtschaftskrise aus einer neuen Quelle. Bislang konnten wir die drängende Frage: Was hält uns als Gesellschaft zusammen? noch immer auf die Nationalgesellschaften beschränken. Die jetzige Weltwirtschaftskrise zwingt uns endgültig dazu, nach dem möglichen Zusammenhalt einer Gesellschaft im Weltmaßstab zu fragen.

So vernetzt, wie sie bereits ist, kann die Weltwirtschaft überhaupt in eine Ordnung - eine soziale zumal - gebracht werden? Vielleicht wäre es  eine angebrachte Bescheidenheit, in diesem Großmaßstab überhaupt nur Ordnung auf den Märkten anzustreben. Alleine eine Ordnung insbesondere der Kapital- und Finanzmärkte zu schaffen, bei der Haftung und Verantwortung wieder zwei Seiten einer Medaille sind, dürfte derzeit bereits den Ehrentitel „sozial“ verdient haben. 

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