Fach- und Führungskräfte enttäuscht: Industriepolitisch ein verlorenes Jahr!

Fach- und Führungskräfte der Chemie- und Pharmaindustrie sind unzufrieden mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland. Das industriepolitische Umfeld der Branche lässt an vielen Stellen weiterhin zu wünschen übrig, zeigt eine Umfrage der Branchenorganisationen VAA und DECHEMA. Besonders drastisch: Geht die Energiekrise infolge der Situation im Nahen Osten weiter, droht der Industrie ein weiteres Jahr ohne Perspektive. Es fehlt ein ausreichender Beitrag zur Sicherung der hochqualifizierten Arbeitsplätze.

Mit Blick auf die insgesamt sehr durchwachsenen Ergebnisse der Umfrage mahnt Christoph Gürtler: „Arbeitsplätze, die in der deutschen Chemieindustrie verlorengehen, werden sich nur sehr schwer wieder zurückholen lassen. Die Bundesregierung muss beim Reformtempo zulegen, um eine weitere Deindustrialisierung unseres Standorts zu verhindern und hochqualifizierte Beschäftigung zu sichern – für Kolleginnen und Kollegen im Beruf, aber auch für diejenigen, die aus unseren Universitäten nachfolgen.“ 

Ausbildung in MINT-Fächern Deutschlands größte Stärke

Stärken und Schwächen sehen die Umfrageteilnehmenden bei der Positionierung der deutschen Chemie- und Pharmabranche im internationalen Wettbewerb: Während die Ausbildung im MINT-Bereich von fast 60 Prozent der Befragten als im Vergleich sehr gut oder eher gut bewertet wird, sind es im Hinblick auf die Erneuerungsfähigkeit nur 14 Prozent. 

„Unsere größte Stärke sind die exzellent ausgebildeten und kreativen Köpfe in unserem Land“, erklärt DECHEMA-Geschäftsführer Dr. Andreas Förster. „In ihnen steckt die Innovationskraft, die wir für die Erneuerung des Standorts brauchen.“ Damit sie sich entfalten könne, müssen jedoch die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. „Die Umfrage ist deshalb kein Grund zur Resignation, sondern ein klarer Auftrag: Jetzt gilt es, die Voraussetzungen zu schaffen, damit technologische Lösungen entstehen, die unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern. Darin liegt der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft.“ 

Durchgeführt wurde die Umfrage zum Chemie- und Pharmastandort Deutschland zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 unter Mitgliedern des VAA und der DECHEMA, die als Fach- und Führungskräfte in Unternehmen und Forschungseinrichtungen der Chemie- und Pharmabranche tätig sind.

Grafik zu den Einflussfaktoren auf den Fortbestand der Arbeitsplätze in der Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland

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