Geldanlage: Das Risiko des billigen Geldes

Das Jahr 2018 begann, wie 2017 endete: Alles wie gehabt. Die Aktienkurse steigen. Die Folge: Getrieben durch die Nullzinsen werfen immer mehr konservative Anleger ihre Bedenken über Bord. Sie wollen am Kursanstieg teilhaben. Die Risikokennziffern vieler Investitionsprogramme signalisierten aufgrund geringer Kursschwankungen grünes Licht. Doch die jüngsten Börsenturbulenzen zeigen die Fragilität der Finanzmärkte.

… oder nur Tücke der Technik?

Allerdings könnte das Börsentief im Februar auch durch eine vorübergehende technische Korrektur ausgelöst sein. Computergesteuerte Handelssysteme beziehungsweise quantitative Risikomodelle, die zunehmend ETFs als Anlagevehikel nutzen, führen zu einem wachsenden Gleichlauf der Marktteilnehmer. Wenn immer mehr Anleger das Gleiche tun – zum Beispiel verkaufen, weil die von Computern definierten Kurslimits gerissen werden – geraten die Kurse unter Druck. Spekulationen auf den VIX (Volatilitätsindex), der die erwartete Schwankungsbreite des US-amerikanischen Aktienindex S&P 500 misst, führen zudem dazu, dass sich eine zunächst leichte Marktschwankung extrem schnell ausweitet.

Fundamentale Daten entscheiden

Der Gleichlauf der Handelssysteme könnte zwar der Auslöser für den kurzfristigen heftigen Kursrutsch sein. Denn die Technik überzeichnet und verstärkt Trends. Langfristig entscheidend sind aber weiterhin die fundamentalen Daten: Wie entwickelt sich das Zinsniveau? Bleibt es langfristig niedrig, wie es viele Marktteilnehmer erwarten? Wie sind die Wachstumsaussichten und die langfristigen Konjunkturerwartungen? Wie sehr begrenzen die hohen Staatsschulden, angedrohte Handelskriege und die alternde Gesellschaft in den Industriestaaten das Wachstumspotenzial? Wie sind die Auswirkungen auf die boomenden Schwellenländermärkte? Für den in Euro kalkulierenden Investor ist schließlich besonders bedeutsam: Wie entwickelt sich der Euro? Kann die EZB die Währungsgemeinschaft weiter zusammenhalten? Denn die Ursachen für die Eurokrise sind nicht behoben und Euroskeptiker gewinnen an Zustimmung – wie zuletzt in Italien.

All das führt dazu, dass Anleger ihr Vermögen möglichst breit anlegen sollten. Aktiv gemanagte Aktienfonds, ausgewählte flexible Rentenfonds sowie Absolute-Return-Fonds, die auch bei fallenden Märkten positive Ergebnisse erzielen können, gehören genauso dazu wie eine ausreichende Liquiditätsreserve. Letztere auch, um Anlagen nach Rückschlägen antizyklisch aufzustocken. Denn wer bei einem Großbrand an den Kapitalmärkten ungerührt voll im Aktienmarkt investiert bleibt, wird aller Erfahrung nach auf lange Sicht zwar sein Vermögen erhalten, läuft aber Gefahr, dass diese lange Sicht die eigene Lebenserwartung deutlich übersteigt.

Marion Lamberty ist Geschäftsführende Gesellschafterin der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensplanung mbH in Köln.
www.fvp-gmbh.de

Marion Lamberty

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