Expertenprognosen: mutig, selbstsicher und meistens falsch

Alle Jahre wieder: Zum Jahreswechsel gibt es in den Medien eine Vielzahl von Expertenprognosen darüber, was die Zukunft bringen wird. Prognosen über die künftige Entwicklung an den Finanzmärkten sind dabei besonders beliebt. Obwohl sich die meisten Experten in ihren Fachgebieten sehr gut auskennen, führt das regelmäßig nicht dazu, dass sie zukünftige Ereignisse zuverlässig vorhersagen können. Joerg Lamberty von der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensplanung zeigt in seinem Gastbeitrag für den VAA Newsletter auf, dass der Grad der Anlegerakzeptanz von Finanzmarktprognosen tendenziell Auswirkungen auf ihre Anlagestrategie hat.

Die erste Strategie brachte in den Jahren der jeweiligen Aufwärtsphase bis zu den Marktkorrekturen in den Jahren 1961, 1973, 1987, 2000 und 2007 tendenziell bessere Ergebnisse. Je länger die Aufwärtsphasen andauerten, desto stärker wuchs das Vertrauen in die verkaufsmotivierten Finanzmarktprognosen der Finanzindustrie. Dagegen waren Anleger mit der zweiten Strategie besser vorbereitet, als es zu einem plötzlichen Trendwechsel und Crash kam. Sie hatten nach dem Börsencrash geringere Verluste und deswegen mehr Kapital zur Verfügung, um langfristig von Käufen zu den dann niedrigen Kursen zu profitieren.

Einfluss von Prognosen hinterfragen

Zu Beginn des Jahres – also der „Hochsaison der Finanzmarktprognosen“ – sollten wir als Anleger noch einmal genau hinterfragen, welchen Einfluss eigene oder fremde Prognosen über die zukünftige Entwicklung an den Finanzmärkten auf unsere Anlagestrategie haben. Denn einerseits ergibt eine defensive Strategie keinen Sinn, wenn wir davon ausgehen, dass eine bestimmte Prognose über die Entwicklung an den Finanzmärkten mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten wird. In diesem Fall wären Absicherungsstrategien und eine breite Streuung unnötig. Wenn wir aber davon ausgehen, dass wir nicht wissen, was die Zukunft bringt, wäre es fahrlässig, mit einer entsprechenden Anlagestrategie so zu tun, als ob wir es wüssten. Als warnendes Beispiel sei hier die Aufwärtsphase der Jahre 2004 bis 2007 vor dem letzten großen Crash in Erinnerung gerufen, als viele Anleger die Vorhersehbarkeit und Kontrollierbarkeit der Ereignisse überschätzt und die vorhandenen Risiken unterschätzt haben.

Joerg Lamberty ist Geschäftsführender Gesellschafter der FVP Gesellschaft für Finanz- und Vermögensplanung mbH in Köln.
www.fvp-gmbh.de

Joerg Lamberty

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